Freitag, 31. Juli 2009

Alles Drafting oder was?

Drafting bedeutet, zumindest im triathlon-spezifischen Sprachgebrauch, Windschattenfahren auf dem Rad. Das Drafting ist in den meisten Wettkämpfen verboten. Ausnahme sind hier die Pro‘s auf der Olympischen Distanz (an Weltcup‘s oder spezielle Pro-Rennen). Die zweite Disziplin ist also eine Prüfung gegen die Zeit, die jeder für sich alleine zu bewältigen hat.

Die Wirklichkeit sieht leider sehr oft etwas anders aus. Wie an einer Perlen-Kette aufgereiht preschen die Wettkämpfer manchmal über die Wettkampfstrecke. Häufig mit der klaren Absicht, den stärkeren Radfahrern zu folgen und somit viel Energie und Zeit zu sparen.

Man ist müde, vor sich ein Feld von 15 Fahrern. Man kommt ran – die Verlockung sich der Gruppe anzuschliessen, kurz etwas ausruhen, ist zugegeben sehr gross.
Fährst du vorbei, merkst aber, dass sich nun eine Menschen-Kette an dich geheftet hat, bist du wohl auch nicht bereit, bei nachfolgenden Überholmanövern der Profiteure brav einen Abstand zu halten…Ausgleichende Gerechtigkeit kann man sagen. Doch soweit sollte es gar nicht kommen.

Es existieren klare Regeln, welche die Abstände des Hinteren zum Vorderen definieren. Je nach Wettkampf sind es zwischen Vorderrad des Vorderen und Vorderrad des Hinteren Athleten/Athletin mindestens sieben bis zehn Meter (seitlich 2 M). Selbst wenn diese Abstände eingehalten werden, kann der Verfolger noch von etwas Windschutz und mentaler Unterstützung profitieren. Nur leider werden diese Vorschriften oft missachtet! Zum Leidwesen der starken Radfahrer.

Schiedsrichter, sogenannte Race-Marshals, sind auf Motorrädern unterwegs und kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden. Ihnen stehen verschiedene Strafmassnahmen zur Verfügung, welche sie mit farbigen Karten anzeigen und je nach Wettkampflänge unterschiedlich sind. Die "schwächste" Strafe ist die Stop‘n‘-Go, welche meist bei kurzen Wettkämpfen eingesetzt wird. Dann gibt es die Verwarnung (gelbe Karte Halt bei der nächsten Penalty-Box), eine Zeitstrafe von 3 bis 6 Minuten (schwarze Karte in der Penalty-Box "absitzen") oder die sofortige Disqualifikation (rote Karte). Details dazu unter:http://www.swisstriathlon.ch/PortalData/1/Resources/documents/verband/reglemente/2009/Wettkampfreglement_2009.pdf.

Wenn es doch nur so einfach wäre, denn es klingt ja alles geregelt mit den Strafen. Manch fehlbarer Athlet wird so auch sanktioniert (gibt auch Fälle da erwischt es leider die falschen…!), aber das Problem ist viel tiefer begraben.

Zu viele Athleten, zu wenig Schiedsrichter
Im Verhältnis zu den vielen Teilnehmern stehen zu wenige Race-Marshals zur Verfügung. Wie soll ein Schiedsrichter vorgehen, wenn er an ca. 30 Athleten heranfährt, die zu wenig Abstand halten? Was macht er? Er beobachtet meist das Geschehen. Fährt dann an ein besonders auffälliges Individuum heran und handelt nach Ermessen. Er lässt sich dann vielleicht noch einmal etwas zurückfallen, beobachtet und fährt weiter vor in der Kolonne. Wenn nötig wiederholt er den Vorgang. Wobei, während der Anwesenheit des "Gesetztes" sind die meisten ganz brav und halten Abstand. So braust er auf seinem Motorrad davon. Was will er sonst auch machen. Es werden ja wohl nicht die einzigen Verdächtigten sein. Daraus lernen wir – es erwischt immer mal wieder einen oder zwei. Jetzt ist er aber weg. Also "draften" wir weiter.

Doch wie kann man diese Umstände lösen? Mehr "Kontroll-Organe"? Es sollen am Ende ja nicht mehr Motorräder als Radfahrer auf der Strecke sein, aber ein paar mehr dürften es schon sein. Aber die finanzieren sich halt nicht von selbst...

Weniger Athleten? Nehmen wir an es kommen etwa 400 Athleten (Zahl geschätzt!) innerhalb 1:00h und 1:05h aus dem Wasser (Ironman), dann wechseln die ziemlich gleichzeitig auf die Radstrecke. Bis sich diese in der Fläche verteilen… Auf den ersten Kilometern kann man also überhaupt nichts machen. Muss man auch nicht gross. Meist ist das Leistungsvermögen noch zu unterschiedlich und wenige können profitieren. Die einen haben keine Chance die Pace zu halten, die anderen müssten dauernd bremsen. Mit der Dauer des Rennens ändert sich dies aber. Man findet seines Gleichen. Die Tendenz zu lohnenden Draftings steigt. Da muss eingegriffen werden.

Ein kleineres Teilnehmerfeld würde das Problem entschärfen, nicht jedoch beseitigen. Weniger Teilnehmer wäre aber eben zum Nachteil des Veranstalters… Ich hoffe an dieser Stelle, dass in Zukunft nicht noch mehr Massen abgefertigt werden.

Drafting muss aber nicht immer mutwillig sein. Die Regel besagt, dass ein überholter Athlet für die Wiederherstellung des Mindestabstandes verantwortlich ist. Werde ich also überholt, muss ich mich zurückfallen lassen. Ich muss mein Tempo reduzieren. Denn oft kommt der vermeintlich schnellere Athlet nicht entscheidend schneller voran. Oder ich überhole wiederum. Dieses Hin und Her kostet jedoch Energie. Da kommt es immer wieder zu blöden Situationen und vermutlich wird der falsche Athlet bestraft.

Fazit:
Es gibt wohl kein Rezept, welches das untersagte Windschattenfahren aus der Welt zu schaffen vermag. Wenn man rigoroseres Durchgreifen fordert, kann das abschreckend wirken. Was gut ist!! Aber es wird dann auch ganz viel Fingerspitzengefühl der Schiedsrichter notwendig. Wir wollen ja auch keine Wettkämpfe, an welchen übertrieben kleinlich gepfiffen wird. Nicht in jeder Aktion steckt pure Absicht. Was nützt es jenen zu belangen, welcher "per Zufall" in einen Pulk gerät (passiert schnell…)? Jeder Athlet muss sich bewusst sein, ob er seine Leistung fair erbringen will oder eben nicht. Gelegentlich muss er von Offiziellen auf unmissverständliche Art und Weise daran erinnert werden!
Gerade am IM Switzerland war das Drafting offensichtlich ein grösses Problem. Ich hoffe, dass dies weiter verbessert werden kann!

Alles in allem machen die aktiven Marshals ihre Arbeit gut! Sie können auch nichts dafür, dass sie oft krass unterdotiert sind.

Sandro


Im Radsport normal, im Triathlon verboten - Drafting

Freitag, 24. Juli 2009

Ironman. Was nun?

Der Ironman ist vorbei. Die letzte Woche habe ich praktisch nur regeneriert und mich dadurch gut erholt.
Lediglich drei Schwimmtrainings absolvierte ich. Das war schon gut so. Denn die Belastung war am Abend und der Nacht nach dem Ironman sehr gut zu spüren. In den nachfolgenden Tagen habe ich etwas Muskelkater und leicht überlastete Sehnen wahrgenommen.

Jetzt, in der laufenden Woche fuhr ich einmal 1h super locker Rad und erfreute mich am oder besser gesagt im nassen Element beim Bahnen ziehen. Nun ist es aber an der Zeit, wieder mit zielgerichtetem Training zu beginnen. Kann's kaum erwarten!

Die Erinnerungen zurück an den Ironman sind sehr schön und ich bin motiviert, die weiteren Schritte zu gehen. Was steht also an? Ich plane diese Saison noch sicher zwei Wettkämpfe. Der eine am 23.8. in Uster über die Olympische Distanz und der andere am 6.9. in Locarno über die Mittel-Distanz. Falls Ihr nicht mehr wisst was das ist - lest es in meiner ersten Notiz nach...

Ich denke, dass ich meinen "Blog" hier einfach weiterführen werde. Den einen oder anderen interessieren meine Zeilen vielleicht.

So halte ich Euch auf dem Laufenden. Bald ein schönes Wochenende!

Sandro

Freitag, 17. Juli 2009

Erfolgreiches Finish!

Mein Projekt Ironman Switzerland 2009 powered by ewz habe ich mit Erfolg abgeschlossen!

Was war das für ein Gefühl nach einem anstrengenden, harten Wettkampf, nach 9 Stunden und 46 Minuten über die Ziellinie zu laufen…

Doch eins nach dem anderen.

Die letzte Woche war phasenweise nicht ganz so einfach. Ich war oft angespannt und schlief unruhig. Am Samstagnachmittag suchte ich erstmals das Wettkampfgelände bei der Landiwiese auf, um die Startunterlagen abzuholen und den Rad Check-in zu erledigen. Zu dieser Zeit war ich, zu meinem Erstaunen, nicht einmal sooo nervös. Da war wohl viel gespielte Lockerheit dabei :-)

Am Sonntag, 12. Juli 09 der grosse Tag! 3.8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42.2 km Laufen standen für mich und ca. 2‘220 "Kontrahenten" auf dem Programm. Tagwache war 04:00 Uhr. Etwas Essen um gleich zusammen mit Corinne und meinem Bruder Daniel um 05:05 nach Zürich ab zu fahren.
Am Ort des Geschehens verspielte ich etwas viel Zeit mit einem unplanmässigen Gang auf die Toilette! Ich hab’s jedenfalls wieder einmal fertig gebracht, praktisch auf die letzte Sekunde am Schwimmstart zu stehen! Ach wie war ich nervös beim Neopren anziehen, bekam ihn fast nicht an. Eine Schreckminute (Weltuntergang, vom Teufel verfolgt :-) ) durchlebte ich noch vor dem Start, als etwas an meiner Schwimmbrille abgebrochen war (das Nasen-Teil..). Ich dachte OK – das war mein Ironman! Als ich mich wieder etwas beruhigte, versuchte ich: wieder reinstecken, Brille anziehen und hoffen! Es hielt.

Den Schwimmstart verschlief ich irgendwie. Vom Land ging’s mal ein Stück ins Wasser, etwas rausschwimmen bis in Startposition, warten, plötzlich fingen alle an zu schwimmen – einen Startschuss hörte ich nicht. Das ging aber nicht nur mir so. So fand ich mich mitten im Getümmel wieder. Wollte ich doch eigentlich aus Reihe eins oder zwei schnell anschwimmen, um aus dem gröbsten raus zu sein. Nach 1h 11min lagen die 3.8 km hinter mir. Keine schlechte-, aber auch keine Spitzenzeit. Hier habe ich mir ein bisschen mehr erhofft…



Wechsel auf das Rad. Voller Kraft und Zuversicht nahm ich die 180 km und 1‘260 HM in Angriff. Es lief gut. Ich zog am Ufer des Zürichsees in Richtung Rapperswil an unzähligen Athleten vorbei, welche nach dem Schwimmen noch vor mir gelegen haben. Die ersten 90 km absolvierte ich in 2h 22min. Ich war bestrebt mich auf dem Rad gut zu ernähren, trotzdem reduzierte sich die Geschwindigkeit in Runde zwei leider etwas und ich hatte zeitweise ziemlich zu beissen! Gut möglich, dass ich noch mehr Energie aufnehmen hätte sollen.
Ein echtes Highlight war die Fahrt auf den Heartbreak-Hill! Diese Stimmung – einfach Wahnsinn! Die Zuschauer an der Strecke verwandelten die Steigung nach Kilchberg in eine Alp d’Huez! Da läuft es einem kalt den Rücken ab!
Nach 4h 59min "Tretarbeit" betrat ich zum zweiten Mal die Wechselzone.



So nahm ich nach 6h 17min den Marathon in Angriff. Nach kurzer Laufdauer sah ich eine leicht "schockierende" Tafel. 1km. Eine Frechheit. :-) Auf den Schildern standen jeweils die Kilometer, welche an diesem Punkt bis zum Ziel bereits zurückgelegt wurden. Das nächste Mal, wenn ich wieder hier sein werde, steht dann 11.5km.... ging mir durch den Kopf - daran hält man sich fest. Ich startete ziemlich gut in den Lauf. Die erste Runde (10km) lief ich mit 4:37/km. Auch auf der zweiten Runde war alles in Ordnung. Zum Auftakt von Runde drei musste ich eine Schwächephase hinnehmen. Es wurde mir geraten mehr Kohlenhydrat-Gels einzunehmen, aber wenn man sich ab diesen Geschmäckern und Konsistenz bald mal übergeben muss, ist es nicht mehr so delikatessenmässig. Ich konnte noch einmal etwas zusetzen und die letzten 11km wieder zügiger laufen. Die letzte Schlaufe wurde, je länger sie gedauert hat, immer attraktiver. Ich wusste, dass ich es bald geschafft haben werde. Da setzten sich immerfort mehr Glücksgefühle frei. Es ist nicht mehr weit. Die Zielpassage rückt immer näher. Die Zuschauer am Rand werden dichter. Keine Runde mehr. Nur noch in die Zielpassage abbiegen und den Empfang der Menschenmasse geniessen. Man spürt keine Müdigkeit, Laufen ist keine Schwierigkeit mehr. Man fliegt. DAS ZIEL IST ERREICHT! 9h 46min stand auf der Anzeige. Wow!! Wie anfangs gesagt: Was für ein Gefühl. Glücklich, aber nun doch müde, genoss ich ein paar Minuten im Ziel. Sah alle meine Supporter, die den ganzen Tag für mich an der Strecke gestanden haben.



Einen herzlichen Dank an alle, die wegen mir dort waren. Ganz speziell an jene, die meine düstere Miene am Morgen früh ertragen mussten. :-)
Der grösste Dank an Corinne. Sie unterstützt mich täglich!

Ich habe einmal über mein Ziel geschrieben. 10h 15min habe ich an dieser Stelle gesagt. Das war mein sehr wahrscheinlich erreichbares Ziel. Nun war ich eine halbe Stunde schneller. Ich habe jetzt mein höher gestecktes Ziel (unter 10h) geschafft.

Ich bin in der Kategorie M25 (25-29 Jahre) auf Platz 27 gelandet. Overall 222. Für mich noch interessant: Bei M25 waren nur 3 Schweizer schneller… Man kann also erahnen wie viel internationale Konkurrenz da am Start war.

Bis demnächst.
Sandro

Montag, 6. Juli 2009

Race Week

Meine letzte Base (wie die "sicheren" Stellen beim Baseball) habe ich seit gestern verlassen.
Jetzt gibt's keine Schonzeit mehr. Kein Easy-Weekend mehr vor dem Wettkampf. Das nächste Wochenende ist das Wettkampf-Wochenende.

Nun befinde ich mich in der Race Week. Der Tapering Woche. Es gilt den Körper vollständig von den harten Trainingsbelastungen der vergangenen Wochen zu erholen und die Energiespeicher zu füllen. Meine letzten etwas härteren Trainings fanden Freitag und Sonntag statt. Nun ist Schluss. Diese Woche trainiere ich nur noch locker und regenerativ.

Somit ist die Woche vor einem grossen Wettkampf eigentlich auch mal eine willkommene Abwechslung. Wenn nur nicht die grosse psychische Belastung wäre. Ich muss noch an dieses und jenes Denken. Bin nervös. Gerade denke ich 'es' kommt gut, kurze Zeit später geistern leise Zweifel durch die Gedanken. Zum Teufel mit denen!!!

Ich bin jetzt so gut wie ich bin. :-) Kann für diesen Wettkampf nichts mehr verbessern. Die Form für den Ironman wartet um abgerufen zu werden. Da spielt dann die Tagesform eine wichtige Rolle! Die muss einfach gut sein!

Euch allen eine gute Woche! Ich hoffe jetzt schon auf Eure Unterstützung am nächsten Sonntag!
Sandro